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Delegationsreise 2013

Bericht von der Delegationsreise nach Südafrika zum Partnerkirchenkreis Free State

Im Oktober 2013 durfte ich für zwei Wochen mit einer sechsköpfigen Delegation des Kirchenkreises Celle zum Besuch unserer Partner in den Kirchenkreis Free State in Südafrika reisen. Unsere Aufgabe war es, die Kontakte wieder zu beleben und nach den einzelnen Projekten zu sehen, die der Kirchenkreis Celle vor Ort unterstützt.

Der Kirchenkreis Free State ist fast so groß wie Niedersachsen, und beim Besuch in den einzelnen Gemeinden erlebten wir, welche weiten Wege die 6 Pastoren zu ihren Mitgliedern zurücklegen müssen. Deshalb ist die Unterstützung mit Benzinkosten (auch „Kirche auf Rädern“ genannt) sehr notwendig.

Christliches Leben ist viel stärker und selbstverständlicher im Alltag gegenwärtig  als bei uns. Gespräche drehten sich schnell um das Vertrauen, das die Menschen aus dem Glauben beziehen und das ihnen Hoffnung und Kraft gibt, jeden neuen Tag anzupacken. Und auch sichtbare Zeichen sind beliebt:  Wir haben Aufkleber mit der Lutherrose gesehen und Anschläge an öffentlichen Gebäuden mit christlichen Inhalten.

Irritiert waren wir aber davon, dass auch fast 20 Jahre nach Ende der Apartheid immer noch eine strikte Trennung zwischen farbigen, schwarzen und weißen Gemeinden besteht. Es ist ganz deutlich eine Spannung zwischen Schwarzen und Farbigen zu spüren (zu Weißen hatten wir keinen Kontakt, das liegt in der Geschichte der Partnerschaft begründet). Farbige sind oftmals besser ausgebildet als Schwarze (sie hatten schon zu Zeiten der Apartheit Sonderrechte)und  haben dann die besseren bezahlten Jobs – das mag Neid schüren.

Bildung ist ein wichtiges Thema in Südafrika – noch immer sind viele Menschen dort Analphabeten.  Aber die Schulen und erst recht das Studium kosten Geld. Bei einem Treffen mit dem Partnerschaftsausschuss in Bloemfontein erfuhren wir, dass mit dem Geld des  Stipendienfonds  vielen jungen Leuten geholfen wird, Bücher für ihr Studium kaufen zu können. Wir haben auch mehrere Schulen besucht, um uns zu informieren. Die Klassen sind groß und haben oft zwischen 40 – 45 Schüler. Als erste Fremdsprache wird Englisch unterrichtet, als zweite Sprache Africaans. Die dritte offizielle Sprache in Free State ist Sotho, aber aufgrund der Geschichte des Landes gibt es noch viele andere Sprachen: In manchen Schulen kommen die Schüler aus bis zu 11 unterschiedlichen Sprachgebieten. Es muss für die Lehrer sehr schwierig sein, ihnen eine Fremdsprache ohne die Basis einer gemeinsamen Muttersprache  zu vermitteln.

Auch der Kindergarten in Botshabelo wird vom Kirchenkreis Celle unterstützt.  Dort werden ungefähr 80 Kinder im Altern von 2 bis 5 Jahren betreut. Das Gelände  hat im vergangenen Jahr einen neuen und stabilen Zaun erhalten, weil dort leider immer wieder eingebrochen wurde – nun hofft man auf eine Sicherung der Lage. Vorsorglich werden aber die Spielgeräte abends immer noch ins Haus geräumt. Bei unserem Besuch fanden wir die älteren Kinder in zwei schönen großen Gruppenräumen untergebracht, die Kleinsten jedoch sehr beengt und kärglich versorgt. Eine Heizung für die kalten Wintermonate fehlt überall, und die sanitären Anlagen sind ebenfalls nur unzureichend vorhanden.

Bei Besuchen in öffentlichen Einrichtungen haben wir weitere interessante Einblicke in das Leben im Land bekommen:

Bei Gesprächen mit Krankenschwestern und Ärzten erfuhren wir, dass die Krankenversorgung und Medikamente kostenlos  sind. Interessant für uns war die Information, dass es viele ambulante Kliniken in kleinen Orten gibt. Dort haben Krankenschwestern ähnliche Kompetenzen wie Ärzte – nur in schweren Fällen werden Patienten ins Kreiskrankenhaus verlegt. Eine ganz wichtige Einrichtung ist die mobile Krankenstation: mit diesem wie ein Behandlungsraum ausgestatteten Kleinlaster fahren zwei Schwestern täglich über Land, um Patienten in den Außenbezirken zu versorgen.

Alte Menschen treffen sich oft in Seniorenhäusern.  Wir konnten  mit einer Gruppe älterer Menschen sprechen und erfuhren, dass ihr Haus täglich für Gebet, Gespräch und Beratung geöffnet ist, und im Lauf des Jahres gibt es  immer wieder gemeinsame Unternehmungen, z.B. Basare, Wanderungen oder Aktivitäten z. B. zum „Großelterntag“. Alte Menschen werden in Südafrika sehr geachtet, sie strahlen Würde und Autorität aus.

Möglichkeiten für künstlerische Ausbildung sind ebenfalls vorhanden: In Thaba Nchu gibt es ein Kulturzentrum mit Theater, Tanzstudio, Musikschule und Malateliers, und in Bloemfontein liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der  Musikschule „musicon“ im Streicherbereich.

Gewöhnungsbedürftig waren für uns einige weitere Besonderheiten:

Die Rollen zwischen Männern und Frauen sind noch sehr streng verteilt: Männer bestimmen und repräsentieren, Frauen bedienen und ordnen sich unter. Auch wir weiblichen Delegationsmitglieder haben erfahren, dass wir im Gespräch mit dem Dean (Superintendenten) und den anderen Pastoren eine untergeordnete Rolle spielten.

Es gibt viel Kriminalität im Land, und wer es kann, schützt sein Eigentum mit Mauern und Zäunen und Alarmanlagen. Nach Sonnenuntergang wird auch das Toilettenhäuschen auf dem Hof nicht mehr benutzt – man könnte überfallen werden. Trotzdem habe ich eigentlich nirgends das Gefühl der Angst gespürt.

Zeit hat einen ganz anderen Stellenwert als bei uns – man muss warten können. Auch Gottesdienste fangen nicht pünktlich an, sondern erst dann, wenn die wesentlichen Personen da sind.

Für mich war diese Reise eine sehr große Bereicherung:

ich habe nicht nur ein Land gesehen, in das ich sonst wahrscheinlich nie gekommen wäre, sondern bin den Menschen dort auf eine Weise begegnet, die ich als Touristin nie gehabt hätte.

Ich habe eine große Gelassenheit in sehr widrigen Lebenssituationen erlebt, Improvisationstalent erfahren, Warten gelernt (zumindest dort) – und gespürt, wie sehr die Menschen sich ihrem Glauben verpflichtet fühlen und ihren Alltag aus ihm heraus leben.  Diese Erfahrungen werden mich weiter begleiten.

Dorothee Knauer


Delegation besuchte Partnerkirchenkreis (2008)


In letzter Zeit schien es relativ ruhig um die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Celle und dem Kirchenkreis Free State in Südafrika bestellt zu sein. Grund war die schwierige Personalsituation auf der südafrikanischen Seite, die aber nun mit der Bildung eines neuen Partnerschaftsausschusses teilweise behoben ist.

Neugierig auf die Entwicklungen starteten wir, eine Delegation aus Celle in den Free State, um neue Kontakte zu knüpfen und alte wieder aufzufrischen. „Wir“ das waren Gabriele Ahnert-Sundermann (Pastorin), Monika Merz-Neumann, Ina Peukert-Adam, Susanne Seitz und Hans-Georg Sundermann (Superintendent) sowie unsere Youngsters Lea Albers, Kai Pape und Insa Peters, die sich speziell um Kontakte zu Jugendlichen kümmern wollten.

Was wir nicht alles gehört und gesehen haben: Wir haben in Gastfamilien gewohnt und ihre Lebensverhältnisse direkt erlebt. Wir haben natürlich Kirchengemeinden, aber auch Schulen, Kindergärten, Medizinstationen, Altersheime, Betriebe u.v.m. besucht und waren beeindruckt von dem, was in den letzten Jahren aufgebaut worden ist. Wir haben trotz aller Anstrengungen aber auch bittere Armut gesehen, Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt. An vielen Stellen wurden wir angesprochen, ob wir nicht helfen könnten. Und immer wieder wurde betont, wie wichtig die Partnerschaft sei, natürlich auch in materieller Hinsicht: Ein Teil der Gemeindearbeit und die Stipendiaten des Studienfonds werden durch den Celler Partnerschaftsausschuss unterstützt.

Besonders beeindruckt haben mich jedoch unsere Diskussionen über die weitere Gestaltung der Partnerschaft, über das Gemeindeleben hier wie dort, über die allgemeine Lebenssituation usw.. Es waren Gespräche auf Augenhöhe zwischen gleichberechtigten, selbstbewussten Partnern. Was nicht heißt, dass die Apartheid vollständig überwunden wäre: Wir wurden (wie andere Delegationen vor uns) in der Nachbarschaft herumgezeigt, weil es nicht selbstverständlich ist, dass Weiße bei Schwarzen wohnen. Allerdings besuchten wir auf diese Weise andere Gemeindeglieder der lutherischen Gemeinden – und spontan stellte sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl ein. Das war für mich die wesentlichste Erfahrung dieser Reise überhaupt: Als Lutheraner hatten wir ein festes gemeinsames Fundament, auf dem wir uns begegnen konnten, das von vornherein für eine gewisse Vertrautheit sorgte. Und so war es nicht verwunderlich, dass eine von uns, von einer Besichtigung ein wenig erschöpft, zur Freude unserer Gastgeber sagte: „Gott sei Dank, dass wir wieder zu Hause sind!“

Ina Peukert-Adam

Kinderchor im Freestate (Südafrika)

Bilder vom Besuch im Freestate 2008


Jugenddelegation besuchte Partnerkirchenkreis 2005


Neunzehn Jugendliche aus dem Kirchenkreis Celle waren für zweieinhalb Wochen in Südafrika. Die Jugendlichen im Alter von 18-23 Jahren kommen aus zwölf verschiedenen Kirchengemeinden. Unter der Leitung von Kirchenkreisjugendwart Ingo Rosenthal und dem zweiten Vorsitzenden des Südafrika-Partnerschaftsausschusses, Georg Schäfer, besuchten sie den Partnerkirchenkreis Free State und drei weitere Kirchengemeinden in Südafrika. Fast ein Jahr lang bereitete sich die Gruppe intensiv auf diese Reise vor.

Bereits im Mai 2005 waren zehn Jugendliche aus dem Free State zu Besuch in Celle. Zusammen mit „Shalom – die Kirchenband“ und einem Projektchor der Evangelischen Jugend Celle traten sie gemeinsam auf dem Kirchentag in Hannover auf. Im Oktober fand dann der Gegenbesuch unserer neunzehn Jugendlichen aus dem Kirchenkreis Celle in Südafrika statt.

Die Jugendlichen aus Celle besuchten im Free State verschiedene Kirchengemeinden, aber auch Einrichtungen, die durch Spendengelder aus dem Kirchenkreis Celle unterstützt werden. Dazu gehören unter anderem ein Aidswaisenhaus in Bloemfontein und ein Kindergarten in Botshabelo. Die Celler Jugendlichen lernten auch afrikanische Studenten kennen, die von unserem Kirchenkreis jährlich ein Stipendium erhalten.

Die Delegation kurz vor dem Abflug nach Südafrika 2005

Ingo Rosenthal

Intensive Vorbereitung auf die Reise


Delegationsbesuche in den Partnerkirchenkreis Freesate finden in der Regel alle drei Jahre statt. Es sind meistens zwei Hauptamtliche und vier Ehrenamtliche aus dem Kirchenkreis Celle, die dorthin reisen. Unser Besuch in 2005 wich aber von dieser Norm ab. Diesmal bestand die Delegation aus neunzehn Jugendlichen.

Die Reise wurde sehr intensiv vorbereitet. Ein Jahr lang traf sich die Reisegruppe einmal pro Monat. Verschiedene Jugendliche hielten bei den Zusammenkünften Referate. Es wurden auch immer wieder Südafrika-Kenner dazu eingeladen und befragt. Auf diese Weise hat die Gruppe sich Wissenswertes über das Land angeeignet und sich mit der geslleschaftspolitischen und kirchlichen Situation Südafrika auseinandergesetzt. Die Gruppe wurde auch von Anfang an in alle Entscheidungen mit einbezogen, Reiseroute, Finanzierung etc.  Das erforderte natürlich eine hohe soziale Kompetenz der Jugendlichen, die es hier zu erlernen galt.

Das gemeinsame Leben mit Südafrikanern in Deutschland (Mai/Juni 2005) und unser anschließender Besuch in Südafrika (Oktober 2005), wir waren dort ebenfalls in Familie untergeracht, haben dazu geführt, dass beide Seiten Kultur, Sitten und Gebräuche der Partner gut kennen gelernt haben.

Ingo Rosenthal (Kirchenkreisjugenddiakon Celle)



Rückblick auf die Südafrikareise 2005

Mit der Ankunft in Celle ging für uns alle eine anstrengende aber sehr beeindruckende und prägende Zeit zu Ende. Uns allen wird vor allen die sehr große Fröhlichkeit und Gastfreundlichkeit der Afrikaner in Erinnerung bleiben. Wir waren teilweise bei Familien untergebracht, die gerade sich selber versorgen konnten und z. B. kein fließend Wasser im Haus hatten, aber trotzdem haben diese Leute uns sehr gerne aufgenommen. Es ist uns dort auch sehr deutlich geworden, dass man nicht viel Geld und materielle Dinge braucht, um glücklich zu sein. Die Menschen dort freuen sich auch über kleine Dinge z. B. einfach über unseren Besuch.

Es war für uns beeindruckend zu sehen, unter welchen Umständen die Menschen dort leben. Wir haben zwar eine Woche in dem Township gelebt und so ansatzweise den Alltag mitbekommen, aber wir hatten immer die Gewissheit, dass wir in zwei Wochen wieder nach Deutschland zurück fliegen würden. Viele Menschen dort haben nicht die Möglichkeit, jemals aus ihrem Township weg zu kommen, da es meistens schon an einer guten Ausbildung mangelt und somit die Chance auf einen guten Beruf, um Geld zu verdienen. Solche Selbstverständlichkeiten, wie eine gute schulische Ausbildung, sind dort nicht an der Tagesordnung und so müssen viele auf Jobs, z. B. auf einem Zuckerrohrfeld Zuckerrohr schlagen, zurückgreifen. Nachdem wir am eigenem Leib festgestellt hatten, wie hart diese Arbeit ist, sind wir zum Schluss gekommen, dass wir sehr dankbar sein können, für die Möglichkeit eine Ausbildung wahrnehmen zu können.

Ein weiterer Punkt, der uns besonders durch Gespräche mit unseren afrikanischen Partnern deutlich geworden ist, ist dass es immer noch große Unterschiede zwischen den weißen und schwarzen auch zehn Jahre nach der Apartheid noch gibt. Auf beiden Seiten wird davon ausgegangen, dass es wohl noch einige Generationen dauert, bis eine vollständige Verständigung und Gleichberechtigung auf beiden Seiten stattfindet.

Afrika wird oft als ein Land der Kontraste bezeichnet. Dies können wir nach unserem Delegationsbesuch nur bestätigen. Während es sich landschaftlich um Bloemfontein herum eher einfach in flache, endlose Weidelandschaften gestaltet, konnten wir in der zweiten Woche in der Nähe von Winterton die Drakensberge bestaunen. Wohingegen sich die Vegetation in Richtung Durban schon subtropisch entwickelte. Diese starken Unterschiede dieses Landes boten sich uns nicht nur in der Natur, sondern spiegelte sich uns auch in den Städten wieder. Wo auf der linken Straßenseite prächtige Villen mit Swimmingpool stehen, sind auf der rechten Seite, ärmliche Wellblechhütten, ohne fließend Wasser.

Dieser Partnerschaftsbesuch hat uns eine fremde Kultur näher gebracht und dadurch zum Abbau der meistens bestehenden Vorurteile beigetragen.

Johanna Schuller (18 Jahre, Eschede)

Johanna Schuller genießt den Augenblick

Noch ein Rückblick auf die Südafrikareise 2005

Alle wollen mit Kristina aufs Foto.


Ich habe sehr viel und auch intensiv in dieser kurzen Zeit erlebt. So bewundert man die großen Unterschiede in der Landschaft, von Flachland bis zu Bergen hinüber zum Meer. Doch was wirklich beeindruckt, sind die Menschen dort mit ihren verschiedenen Hautfarben, Sprachen und Kulturen. Leider bemerkt man hier auch immer noch zu großen Teilen, dass Denken der Apartheid, welches in den Köpfen dieser Menschen fest verankert ist.

Die Menschen sind, egal wie arm, immer gastfreundlich und sehr offen und ehrlich. Sie haben viel Lebensfreude und Gutmütigkeit in sich, obwohl sie wissen, dass sie aus diesen teilweise schrecklichen Lebenslagen nie heraus kommen werden. Doch haben sie einen Weg gefunden, mit dieser Situation klar zu kommen. Ich könnte das nicht, da ich es anders kennen gelernt habe.

Tief getroffen hat mich die ganze Problematik HIV/AIDS. 6,5 Millionen Menschen in Südafrika sind von diesem tödlichen Virus infiziert und die Zahlen steigen. Auch Kriminalität, wie Vergewaltigungen, Mord und Einbrüche stehen dort an der Tagesordnung.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, an dieser Reise teilgenommen zu haben und beide Seiten Südafrikas ein bisschen kennen gelernt zu haben.

Kristina Hasselbach (18 Jahre, Hambühren)


Delegation besuchte Partner in Südafrika 2003


Nach knapp dreiwöchiger Reise ist eine Delegation des Kirchenkreises Celle aus Südafrika zurückgekehrt. Mehr als 3.000 km haben die sechs Delegierten dabei im Kirchenkreis Free State zurückgelegt, um alle acht Partnergemeinden zu besuchen.


Gottesdienst in Batho - eine unglaubliche Atmosphäre

„Mo-di-mo“ jault plötzlich eine der Gebetsfrauen in der Batho-Gemeinde mitten im Gottesdienst mit lauter Stimme los, klatscht dazu dreimal rhythmisch auf ihre Bibel und schon springt die ganze Gemeinde von den Bänken auf und setzt mit einer solchen Stimmgewalt ein, dass man Angst um die alten Fensterscheiben haben kann. Eine Orgel gibt es nicht, sie wäre sowieso nicht mehr zu hören. Jeder singt so laut er kann, klatscht und tanzt durch die Bankreihen bis nach vorne zum Altar, wo man seine Kollekte in ein kleines Bastkörbchen werfen kann. Die anwesenden Delegationsmitglieder scheinen sich in der kurzen Zeit schon ganz gut eingelebt zu haben und können bereits mit diesem anderen Gottesdienstrhythmus Schritt halten, wenn auch natürlich längst nicht so elegant wie ihre afrikanischen Partner. „Eine unglaubliche Atmosphäre! In Deutschland wäre so etwas unvorstellbar“, sind sich Nina Hölterhoff und Kordula Rahn einig. „Eine ganz neue Erfahrung Gottesdienst zu FEIERN“, meint auch Pastor Gerhard Williges aus Wathlingen. Kirchenkreisdiakon Ingo Rosenthal würde diesen Gesang am liebsten einpacken und mitnehmen: „Es ist mein Traum, einmal einen solchen Jugendchor nach Deutschland zu holen.“ Tatsächlich sind nicht nur in den Chören, sondern auch insgesamt in den Gemeinden viel mehr Jugendliche aktiv, als bei uns. Probleme mit der Motivierung bestimmter Altersgruppen für das Thema „Kirche“ gibt es dort nicht. Dabei müssen häufig größere Anstrengungen in Kauf genommen werden, um überhaupt an Gottesdiensten und Gemeindeleben teilnehmen zu können. Die Wege sind weit und die Taxis meist zu teuer.

Mehrheit der Bevölkerung lebt immer noch in erschreckender Armut

„Zwar hat sich die finanzielle Situation einiger Gemeindeglieder in den letzten Jahren teilweise erheblich verbessert, die Mehrheit der Bevölkerung und somit auch der Gemeindeglieder lebt nach wie vor in erschreckender Armut.“, berichtet Georg Schäfer, der Leiter der diesjährigen Delegation. Er arbeitete bereits von 1996 bis 1997 für den Kirchenkreis in Bloemfontein und sieht trotz einiger Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs in den Townshipgebieten noch lange keine grundlegende Verbesserung der Situation. „Auch wenn hier und da ein paar Straßen geteert und Häuser aus Stein gebaut werden, die eigentlichen Probleme Südafrikas sind nicht auf den ersten Blick sichtbar: AIDS, die hohe Kriminalität und eine nach wie vor unzureichende Schulbildung.“ Der Partnerschaftsausschuss des Kirchenkreises Celle versucht die südafrikanischen Partner bereits seit mehreren Jahren in diesen Bereichen zu unterstützen, zum Beispiel mit einem Stipendienfond für Schüler und Studenten, der die Schul- oder Studiengebühren übernimmt.

Aids verändert das Gesicht Südafrikas

Außerdem sind in Zusammenarbeit mit dem Hermannsburger Missionswerk zwei Praktikantinnen aus Celle in Bloemfontein im Sunflower House, einem Zentrum für HIV-positive Kleinkinder tätig. Auf der Reise durch die verschiedenen Gemeinden haben die Delegierten Krankenstationen und Pflegeeinrichtungen aber auch einige von den vielen Menschen, die zu Hause gepflegt werden müssen besucht und erschütternde Schicksale erfahren. „Ich war sehr davon beeindruckt, wie viel Kraft und Fröhlichkeit trotz einer für uns aussichtslosen und erbärmlichen Situation in den Menschen steckt.“, schildert Vera Wagner ihre Erfahrungen. „Da darf man gar nicht daran denken wie schnell wir in Deutschland über den kleinsten Konsumverzicht das große Jammern anfangen.“ „Wir können sehr viel von so einem Besuch bei unseren südafrikanischen Partnern lernen“, meint auch Georg Schäfer, „unter anderem eben auch die Wichtigkeit unsere eigenen Problemchen mal wieder im richtigen Verhältnis zu sehen.“

Viele Besuche und viele Gespräche

Wichtiges Ziel der Reise war für die Delegation auch, jede der acht Kirchengemeinden zu besuchen. Zum einem, um deutlich zu machen, dass die Partnerschaftsarbeit sich nicht auf die Ebene des Kirchenkreises beschränken kann, sondern in die Gemeinden und bis in die „out-stations“ getragen werden muss. Zum anderen natürlich auch, um selbst einen Eindruck von all dem zu bekommen, was man bisher nur von Fotos kannte. Es wurden viele Schulen, Krankenhäuser, Pflege- und Therapiezentren und andere soziale Einrichtungen besucht. „Am wichtigsten waren für mich die vielen, teilweise stundenlangen Gespräche mit den Partnern“, zieht Vera Wagner für sich Bilanz, „das meiste waren typische Frauengespräche über ’Gott und die Welt’, aber natürlich mit ganz neuen Erfahrungen.“

Georg Schäfer

 

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