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Sunflower House in Bloemfontein


Martina Neumann (Klein-Hehlen) hatte nach dem Abitur erst ´mal genug vom Pauken. So entschied sie sich für ein soziales Jahr in Südafrika. Im Bereich unseres Partnerkirchenkreises Freestate arbeitete sie ein volles Jahr ehrenamtlich in dem Aidswaisen-Hospiz "Sunflower House" in Bloemfontein mit.

Mit dabei war auch Nina Hölterhoff, die Tochter unseres früheren Superintendenten. Sie half sechs Monate im Sunflower House mit. Lesen Sie auf dieser Seite einen Bericht, den Nina uns aus Südafrika zugeschickt hat. Sie schreibt über Erfahrungen, die Nina und sie im Sunflower House gemacht haben.


Erfahrungen im Sunflower House

Sonnenblumen, die auf die Außenwand des "Sunflower House" gemalt worden sind. Die kleinen Schilder in der Mitte jeder Sonnenblume enthalten die Namen der Kinder, die im "Sunflower House" bereits ans Aids verstorben sind.


Bis vor drei Tagen haben im Sunflower House noch dreizehn Kinder gewohnt, aber zwei von ihnen, Godfrey (3) und Rethabile (2) wurden am Montag von ihren Familien abgeholt. Beide waren sehr krank, als sie ins Sunflower House gebracht wurden, aber durch gute Versorgung und entsprechender Medizin ging es ihnen bald wieder so gut, dass sie nach Hause konnten.

Die beiden ältesten Kinder hier sind Palesa und Doreen. Palesa ist acht Jahre und bei ihr ist die Aids-Erkrankung schon deutlich erkennbar. Sie ist sehr dünn und schwach, aber doch anders als Connie, die im Dezember verstorben ist, gibt Palesa nicht auf. Sie versucht soviel wie möglich mitzuspielen. Sie kümmert sich auch um die Jüngeren und sie isst eine ganze Menge.

Doreen

Doreen ist auch acht Jahre alt. Als sie ins Sunflower House kam, war sie fast blind. Mittlerweile kann sie sogar wieder relativ gut sehen und läuft nicht mehr gegen Wände oder ähnliches. Nina und ich haben uns schon öfter Gedanken darüber gemacht, warum Doreen jetzt wieder besser sehen kann. Eine Erklärung darauf haben wir nicht.

Godfrey

Eine andere Sache, die Nina und mir passiert ist, will ich unbedingt loswerden: Ich habe ja am Anfang meines Berichtes von Godfrey und Rethabile erzählt. Komischerweise waren das die beiden Kinder, mit denen Nina und ich uns am meisten beschäftigt haben. Als Godfrey hierher kam, hat er nie gelacht. Er hat auch nie gesprochen und kaum gegessen. Ausserdem hat er den ganzen Tag mit den Babys im Zimmer verbracht, weil er leider nicht laufen kann. Er hat zu schwache Beinmuskeln und im Kindergarten werden nur Kinder mitgenommen, die auch laufen können.

Aber irgendwann hat Nina einfach ´mal Godfrey mit in den Kindergarten genommen. Sie hatte ihn aber die ganze Zeit auf ihrem Schoß. So hat sie das dann jeden Tag gemacht und irgendwann hat er angefangen zu lachen und sich sogar etwas mit den anderen Kindern unterhalten. Was meint Ihr, wie erstaunt die Krankenschwestern darüber waren.

Rethabile

Bei Rethabile war es ähnlich. Sie ist leider ein ziemlich ungezogenes Kind und kann echt ganz schön schreien, wenn sie etwas will. Das war auch der Grund, warum sie nicht mit in den Kindergarten durfte. Außerdem kann sie noch nicht laufen, aber nur, weil sie nie die Gelegenheit bekommt hat, es zu versuchen.

Jedenfalls habe ich sie dann auch immer wieder mit in den Kindergarten genommen und sie auf meinem Schoss sitzen gehabt. Und genau wie Godfrey hat auch sie angefangen zu lachen und hat die Zeit mit den anderen Kindern richtig genossen. Wenn ich aber mal weg musste und ich sie deswegen zu den anderen Kindern auf den Boden gesetzt hatte, hat sie tierisch angefangen zu schreien. Das konnte die Kindergarten-Mutter nicht aushalten und hat sie dann wieder zurück in das “Baby-Zimmer” getragen.

Ich dachte mir dabei immer nur, irgendwann muss Rethabile es auch ´mal lernen, dass sie nicht den ganzen Tag auf meinem Schoss sitzen kann, aber wenn man sie jedesmal wieder zurück ins Bett bringt, lernt sie ja nun wirklich nix. Also habe ich mich noch mehr mit ihr beschäftigt und irgendwann hat sie aufgehört zu schreien, wenn ich mal für kurze Zeit weggegangen bin.

Naja und mit zwei Jahren sollte ein Kind ja eigentlich auch schon laufen können. Wie soll es das aber lernen, wenn es den ganzen Tag im Bett sitzt, nur weil es zu ungezogen ist? Also habe ich sie so oft wie möglich aus dem Bett geholt und mit in den Kindergarten genommen, auf den Boden gesetzt. Tja - und mit der Zeit hat sie dann angefangen, zu krabbeln. Auch darüber waren die Schwestern ziemlich erstaunt.

Und genau diesen beiden Kindern geht es jetzt wieder so gut, dass sie zurück nach Hause können. Ist ja schon ein merkwürdiger Zufall. Jedenfalls ist dadurch ziemlich deutlich geworden, dass die Kinder einfach viel mehr persönliche Aufmerksamkeit brauchen, um sich zu entwickeln und das ist wirklich eine Sache, die sehr wenige von den Leuten, die hier arbeiten, sich noch bewahrt haben.

Einerseits war es für Nina und für mich echt traurig, als “unsere beiden Kinder” nach Hause gingen, aber andereseits war es auch echt schön, denn wir haben bestimmt dazu beigetragen, dass sie wieder nach Hause konnten, und das ist ein schönes Gefühl.

Tagesablauf ist immer gleich

Ansonsten läuft bei der Arbeit immer noch alles gleich ab. Morgens wird das Essen verteilt, dann spielen die Kiddies oder sie lernen wie man einen Menschen malt. Aber jetzt im Sommer sind sie sowieso die meiste Zeit draußen auf dem Spielplatz, weil der Kindergarten-Raum viel zu stickig ist.

Neu-Anmeldungen 

Ein anderes Problem ist, dass in diesem Jahr sehr viele Neuanmeldungen für "Day-Care-Children" (Tageskinder) eingegangen sind. Jetzt haben wir jeden Tag so um die 35 Kinder im Haus. Dafür ist der Raum auf jeden Fall zu klein. Deshalb stehen Überlegungen an, mit den "Day-Care-Children" umzuziehen, aber wann und wohin steht auch noch nicht fest.

Am Dienstag waren wir ´mal wieder mit zwei Krankenschwestern in den drei "Day-Care-Centers" (Tageseinrichtungen) in den Township. Es fällt mir dort immer wieder auf, wie gut es doch den Kindern im Sunflower House geht. Sie haben jede Menge Spielzeug. Sie haben auch einen Spielplatz. In den "Day-Care-Centers" gibt es zwar auch Spielzeug, aber nicht soviel wie im Sunflower House. Einen Spielplatz gibt es dort schon gar nicht.

So, das war jetzt erstmal das Neueste, was ich von hier zu berichten habe.

Liebe Grüße, Tina

 

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