Falten im Gesicht, doch im Herzen jungWenn Partnerschaften in die Jahre kommen
In jedem Anfang liegt ein Zauber. So ähnlich haben viele ihre ersten Partnerschaftsbegegnungen erlebt. Die erste Reise, die zaghaften Schritte aufeinander zu. Faszinierend das Fremde, die andere Kultur. Der Duft indischer Blumengirlanden, die betörenden Farben violetter Jakarandabäume. Welch ein Zauber! Und erst die herzliche Gastfreundschaft unserer Partner.
Viele der rund 80 Partnerschaften, die Ende der siebziger Jahre in den uns verbundenen Landeskirchen gegründet wurden, haben mittlerweile "Silberhochzeit" gefeiert. Mit großem persönlichem Engagement sind tragfähige Beziehungen geknüpft worden. Und so gibt es viele Herzen in den Gemeinden, die bis heute für die Partnerschaftsarbeit schlagen.
Der Zauber des Anfangs lässt sich nicht unendlich verlängern. Ein Ausflug an den Indischen Ozean, toll – doch eine Autostunde weiter erfüllen üble Gerüche die Nase in den Straßen von Chennai. Oder eine Fahrt durch den Krüger-Nationalpark! Atemberaubend schön. Und aus den Schornsteinen der "Matchbox"-Häuser in Soweto qualmt beißender Rauch, der die Luft zum Atmen raubt. Erschreckend die Armut vieler unserer Partner, die unter unmenschlichen Bedingungen politisch und wirtschaftlich überleben müssen. Dazu das hohe Maß an Kriminalität.
Einer trage des anderen Last
Was tun? Helfen, ja … aber wie? Einen Brunnen graben, einen Kindergarten bauen, eine Maismühle finanzieren, einen Jeep für die Gemeindearbeit – was ist nicht alles von Partnerschaften auf den Weg gebracht worden!
Wenn dann nach 20, 25 Jahren Bilanz gezogen wird, bleibt bei aller Dankbarkeit über gemeinsam erreichte Ziele oft das Gefühl: Die Not ist einfach zu groß. Wir können nicht alles anpacken. Unsere Hilfe bleibt zeichenhaft.
Doch sie ist ein lebendiges Zeichen unseres Glaubens und unserer Solidarität.
Nehmt einander an, wie uns Christus angenommen hat
Partner haben Stärken und Schwächen – das gilt auch in der Partnerschaftsarbeit. Die Durststrecken zwischen den Begegnungen, wenn lange keine Nachrichten kommen. Das Misstrauen über den Verbleib von Geldern, die für ein bestimmtes Projekt bestimmt waren. Die oft maßlosen Bittbriefe, die uns das Gefühl geben, als seien wir "Geldkühe", die man nur zu melken brauche.
Aber auch unsere Partner sind oft enttäuscht. Über uns, über unseren Lebensstil – den gesellschaftsfähigen Genuss von Alkohol und Nikotin bei jeder Gelegenheit, das Desinteresse vieler Kirchenmitglieder, der geringe Gottesdienstbesuch, die "andere" Moral in Deutschland, die über vieles hinwegzusehen scheint, was unsere Partner nicht tolerieren würden.
Bei allen Gegensätzen bleibt Christus die Brücke, die uns zusammenhält: Inder und Deutsche, Südafrikaner und Brasilianer, Äthiopier und Kasachen.
Die Aufgaben bleiben: Voneinander lernen, miteinander einen Weg gehen, füreinander eintreten, kämpfen, beten, aber auch gemeinsam singen und Gott loben, dem wir alle unser Leben verdanken!
Und auf das Leben setzen. Weiterkämpfen gegen Unwissenheit und Resignation angesichts von Aids! Die Aidswaisen unterstützen! Die Bildungschancen unserer Partner verbessern. Gewalt überwinden aus der Liebe Jesu heraus! Gaben und Ressourcen teilen – das ist das Konzept der Zukunft. Darum machen wir weiter in der Partnerschaft – auch wenn sie Falten bekommen hat. Schließlich sind Falten ein Zeichen der Reife!
Bernd Jacobs ist seit 1997 Partnerschaftsreferent im ELM, Hermannsburg |