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Falten im Gesicht, doch im Herzen jung



Pastor Bernd Jacobs

Wenn Partnerschaften in die Jahre kommen

In jedem Anfang liegt ein Zauber. So ähnlich haben viele ihre ersten Partnerschaftsbegegnungen erlebt. Die erste Reise, die zaghaften Schritte aufeinander zu. Faszinierend das Fremde, die andere Kultur. Der Duft indischer Blumengirlanden, die betörenden Farben violetter Jakarandabäume. Welch ein Zauber! Und erst die herzliche Gastfreundschaft unserer Partner.

Viele der rund 80 Partnerschaften, die Ende der siebziger Jahre in den uns verbundenen Landeskirchen gegründet wurden, haben mittlerweile "Silberhochzeit" gefeiert. Mit großem persönlichem Engagement sind tragfähige Beziehungen geknüpft worden. Und so gibt es viele Herzen in den Gemeinden, die bis heute für die Partnerschaftsarbeit schlagen.

Der Zauber des Anfangs lässt sich nicht unendlich verlängern. Ein Ausflug an den Indischen Ozean, toll – doch eine Autostunde weiter erfüllen üble Gerüche die Nase in den Straßen von Chennai. Oder eine Fahrt durch den Krüger-Nationalpark! Atemberaubend schön. Und aus den Schornsteinen der "Matchbox"-Häuser in Soweto qualmt beißender Rauch, der die Luft zum Atmen raubt. Erschreckend die Armut vieler unserer Partner, die unter unmenschlichen Bedingungen politisch und wirtschaftlich überleben müssen. Dazu das hohe Maß an Kriminalität.

Einer trage des anderen Last

Was tun? Helfen, ja … aber wie? Einen Brunnen graben, einen Kindergarten bauen, eine Maismühle finanzieren, einen Jeep für die Gemeindearbeit – was ist nicht alles von Partnerschaften auf den Weg gebracht worden!

Wenn dann nach 20, 25 Jahren Bilanz gezogen wird, bleibt bei aller Dankbarkeit über gemeinsam erreichte Ziele oft das Gefühl: Die Not ist einfach zu groß. Wir können nicht alles anpacken. Unsere Hilfe bleibt zeichenhaft.

Doch sie ist ein lebendiges Zeichen unseres Glaubens und unserer Solidarität.

Nehmt einander an, wie uns Christus angenommen hat

Partner haben Stärken und Schwächen – das gilt auch in der Partnerschaftsarbeit. Die Durststrecken zwischen den Begegnungen, wenn lange keine Nachrichten kommen. Das Misstrauen über den Verbleib von Geldern, die für ein bestimmtes Projekt bestimmt waren. Die oft maßlosen Bittbriefe, die uns das Gefühl geben, als seien wir "Geldkühe", die man nur zu melken brauche.

Aber auch unsere Partner sind oft enttäuscht. Über uns, über unseren Lebensstil – den gesellschaftsfähigen Genuss von Alkohol und Nikotin bei jeder Gelegenheit, das Desinteresse vieler Kirchenmitglieder, der geringe Gottesdienstbesuch, die "andere" Moral in Deutschland, die über vieles hinwegzusehen scheint, was unsere Partner nicht tolerieren würden.

Bei allen Gegensätzen bleibt Christus die Brücke, die uns zusammenhält: Inder und Deutsche, Südafrikaner und Brasilianer, Äthiopier und Kasachen.

Die Aufgaben bleiben: Voneinander lernen, miteinander einen Weg gehen, füreinander eintreten, kämpfen, beten, aber auch gemeinsam singen und Gott loben, dem wir alle unser Leben verdanken!

Und auf das Leben setzen. Weiterkämpfen gegen Unwissenheit und Resignation angesichts von Aids! Die Aidswaisen unterstützen! Die Bildungschancen unserer Partner verbessern. Gewalt überwinden aus der Liebe Jesu heraus! Gaben und Ressourcen teilen – das ist das Konzept der Zukunft. Darum machen wir weiter in der Partnerschaft – auch wenn sie Falten bekommen hat. Schließlich sind Falten ein Zeichen der Reife!

Bernd Jacobs ist seit 1997 Partnerschaftsreferent im ELM, Hermannsburg

Dann singen sie Lieder der Hoffnung



Pastor Bernd Jacobs, ELM - Referent für Partnerschaftsarbeit

„WIR WARTEN ABER AUF EINEN NEUEN HIMMEL UND EINE NEUE ERDE NACH SEINER VERHEISSUNG, IN DENEN GERECHTIGKEIT WOHNT“ (2. PETRUS 3, 13).

Wenn ich in dunklen Wintertagen den Himmel anschaue, dann weiß ich, worauf ich warte: auf länger werdende Tage und vor allem auf mehr Sonne. Gleichzeitig erleben Millionen von Menschen auf der südlichen Halbkugel jetzt den Frühling. Bäume und Blumen blühen auf, es duftet nach jungem Leben.

Nicht wenige leiden jedoch jetzt schon unter unerträglich heißen Temperaturen.

Worauf warten sie? Auf kühlere Nächte, die das Leben unter Wellblechdächern etwas erträglicher machen? Auf Regen, der zu lange ausgeblieben ist und die Saat gefährdet?

Im Norden geht es uns relativ gut, während Millionen Menschen in der Zwei-Drittel-Welt in großer Armut leben. Hinzu kommen oft politisch instabile Machtverhältnisse, die zu Krieg und Hunger führen. Und wie viele leiden unter den Ungerechtigkeiten globaler Wirtschaftsverhältnisse. Sie bekommen für ihre Produkte so wenig Geld, dass es nicht zum Leben ihrer Familien reicht. Sie warten und hoffen auf bessere Bedingungen für ihre Volkswirtschaften.

Diese harten Lebensbedingungen bekommen wir zwar durch die Medien vermittelt, aber hautnah erleben wir sie erst, wenn wir den Menschen dort unmittelbar begegnen. Partnerschaften zwischen Kirchenkreisen und Gemeinden in unserer Region mit Kirchengemeinden in Afrika, Lateinamerika und Asien eröffnen uns solche Zugänge.

Plötzlich wird uns deutlich, dass der billige Kaffee, den wir hier trinken, nur aufgrund von Niedrigstlöhnen in Tansania oder in Mittelamerika so preisgünstig verkauft werden kann. Partnerschaft mit Menschen und Kirchengemeinden im Süden macht uns betroffen und fordert uns heraus.

Wir sind doch Schwestern und Brüder in Christus. Und so machen sich Partnerschaften stark für die Lebensrechte ihrer Partner im Süden. Sie engagieren sich für die Entschuldung dieser Länder, machen auf die rücksichtslosen Machenschaften profitgieriger Konzerne aufmerksam und erheben so ihre Stimme für die Stummgewordenen.

Gleichzeitig halten sie das spirituelle Band fest, das sie als Geschwister in Christus zusammenhält. In der Fürbitte sind sie miteinander verbunden; in Partnerschaftsgottesdiensten bringen sie ihre Anliegen vor Gott und die Gemeinde. Und dann singen sie Lieder der Hoffnung, die mit Gottes Eingreifen zugunsten der Rechtlosen rechnen. Ein solches Lied aus Brasilien, das wir oft in Partnerschaftskreisen singen, hat den Titel „Utopia“, von Zé Vicente:

Wenn der Frieden von neuem erblüht,
wenn die Sonne der Hoffnung erglüht,
dann klingt mein Lied.

Wenn die Menschen sich freundlich begrüßen,
wenn die Rosen von neuem ersprießen,
dann klingt mein Lied.

Wenn die Mauern am Boden zerschellen,
wenn die Tische von Brot überquellen,
dann klingt mein Lied.

Wenn die Zäune in Stücke zerfallen,
und die Gärten sich öffnen und allen die Schönheit blüht.

Refrain:

Es wird so schön sein, immer wieder zu hören dieses neue Lied. Jeder Mensch sieht im Andern den Bruder/die Schwester.

So wünscht es das Volk. Ein starkes Lied, das die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde festhält, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Wenn wir es singen, dann erinnern wir Gott an seine Verheißung und ermutigen uns gegenseitig auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden.

Pastor Bernd Jacobs

 

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